22.06.2009
Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt Sonderforschungsbereich der Universität Paderborn
Nach erfolgreicher Begutachtung erhält der Sonderforschungsbereich „Selbstoptimierende Systeme des Maschinenbaus“ eine Förderung für vier weitere Jahre. Damit kann die Universität Paderborn ihre führende Stellung auf dem Gebiet des modernen Maschinenbaus ausbauen.
Ein Leben ohne Maschinen heißt frühe Steinzeit. Maschinen sind allgegenwärtig; sie erleichtern die Arbeit; sie transportieren; sie helfen Krankheiten zu erkennen und zu heilen. Beispiele sind der Mikrowellenherd, der Schweißroboter, das Flugzeug und der Kernspintomograph. Schon heute bestimmt Informationstechnik die Leistung von Maschinen. Ohne Elektronik und Software läuft nichts. Daher müssen Ingenieure und Informatiker in Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten. Genau dies hat sich in den vergangen Jahren als eine der herausragenden Stärken der Universität Paderborn erwiesen, die insbesondere durch das Heinz Nixdorf Institut verkörpert wird. Das Institut ist international führend auf dem Gebiet Mechatronik, was ein enges Zusammenwirken von Mechanik, Elektronik und Software in modernen Maschinen ausdrückt.
Die Symbiose von Ingenieurwissenschaften und Informatik verbunden mit Optimierungsmethoden der Mathematik bildet die Basis für das Großprojekt Sonderforschungsbereich 614 „Selbstoptimierende Systeme des Maschinenbaus“. 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten gemeinsam seit 2002 an den Maschinen von morgen, die quasi intelligent sein werden. Diese werden sicher nicht die Weltherrschaft übernehmen, aber sie werden in der Lage sein, sich den Gewohnheiten ihrer Benutzer automatisch anzupassen, und nur soviel Energie verbrauchen, wie gerade nötig ist – und vieles mehr, was im Alltag nützt. Demonstriert wird das an konkreten Erzeugnissen wie dem Schienenfahrzeug des Systems RailCab, dem avantgardistischen Elektroauto „Chamäleon“ und dem Miniaturroboter „BeBot“.
Der Sonderforschungsbereich führt zu Innovationen und Arbeitsplätzen in Zukunftsbranchen wie dem Maschinenbau, der Fahrzeugtechnik und der Medizintechnik. Schon heute laufen fünf Transferprojekte, die die erforschten Entwurfstechniken, Baugruppen und Softwarekomponenten in die Praxis überführen. Dies wird in den nächsten Jahren verstärkt. Für diesen Zweck wurde ein Beirat gebildet, dem Entscheidungsträger der regionalen Wirtschaft angehören. Eine Schlüsselrolle soll auch das aus dem Heinz Nixdorf Institut heraus geplante Fraunhofer-Institut „Entwurfstechnik Mechatronik“ spielen, um Innovationen in der Industrie voranzubringen. Der Sonderforschungsbereich liefert die dafür notwendigen Entwurfsmethoden und -werkzeuge.
Prof. Jürgen Gausemeier (Sprecher des Sonderforschungsbereichs) und seine Vorstandskollegen Prof. Wilhelm Schäfer und Prof. Franz Rammig denken schon über das ehrgeizige Forschungsprogramm der kommenden vier Jahre hinaus; Themen wie Systems Engineering und Nano-Engineering zeichnen sich als neue Herausforderungen ab. Übergeordnetes Ziel ist es, die Universität auf dem Gebiet des modernen Maschinenbaus auch künftig gut zu positionieren und den Absolventinnen und Absolventen aus den Ingenieurwissenschaften und der Informatik ausgezeichnete Berufsperspektiven zu ermöglichen.

